Yoga im Westen

Die geistige Basis für Yoga im Westen schuf Swami Vovekanada 1893 beim Weltparlament der Religionen in Chicago. Er vertrat als „geistiger Botschafter“ Indiens einen aufgeklärten Hinduismus. Durch eine Neuinterpretation der traditionellen Yoga-Wege bereitete er den Weg für Yoga im Westen. Sein Auftritt gilt als wichtiger Schritt für die Yoga-Entwicklung des Westens.

Paramahasama Yogananda gab weitere wichtige Impulse, unter anderem durch sein Buch „Autobiographie eines Yogi“. Er Lehrte Kriya-Yoga, das Yoga der heiligen Handlungen (Askese, Studium, Gottesverehrung). Sein Buch gibt eine tiefgründige Einführung in die gesamte Wissenschaft und Philosophie des Yoga und beschreibt die Einheit, die den großen östlichen und westlichen Religionen zu Grunde liegt.

Dies sind zwei Beispiele der geistigen Einflussnahme auf eine Entwicklung des Yoga im Westen. Zu dieser Zeit konnten die indischen Yogis ihr Wissen meist nur einem erlesenen westlichen Publikum vorstellen. Die ungewöhnlichen Körperübungen bewirkten großes Erstaunen bei den Zuschauern. Es gab jedoch noch kein breites Interesse. Die ersten Yoga-Praktiker im Westen teilten das spirituelle Ziel der indischen Yogis. Der Aspekt der körperlichen Fitness entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert, mit der Verbreitung des Hatha-Yoga.

In den 70er Jahren wurde Yoga durch die Hippie-Bewegung im Westen weiter verbreitet. Viele Hippies reisten nach Indien und kamen mit neuen spirituellen Erfahrungen und Ideen zurück. Der materiell ausgerichteten Denkweise im Westen konnten die spirituell inspirierten Rückkehrer einen Gegenpol setzten. Das Interesse an neuen, ganzheitlichen Konzepten wuchs in immer Schichten der Bevölkerung.

Die größte Verbreitung erfuhr Hatha-Yoga. Dies scheint am besten mit der westlichen Lebensweise zu harmonieren. Im Vordergrund stehen nicht die geistigen Aspekte des Yoga, sondern Körper- und Atemübungen. Geist und Psyche werden ebenfalls in die Übungen integriert und können so den Auswirkungen der westlichen Lebensweise durch Entspannung und Meditation einen Ruhepol verschaffen.

Ein Beispiel für die Nutzbarmachung des Yoga im Westen ist Autogenes Training. Es ist inzwischen als Methode zur Entspannung weit verbreitet. Es wurde von dem Nervenarzt Johannes Heinrich Schulz (1884 – 1970) auf der Grundlage des Yoga entwickelt.